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Soweit die Ehegatten nicht durch Ehevertrag Gütertrennung oder Gütergemeinschaft vereinbart haben, leben sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft.
Im Zuge der Scheidung ist der Zugewinn auszugleichen. Gemäß § 1373 BGB ist Zugewinn der Betrag, um den das Endvermögen eines Ehegatten das Anfangsvermögen übersteigt.

Für die Berechnung des Zugewinns müssen sowohl das Anfangsvermögen als auch das Endvermögen der Ehefrau und des Ehemannes bestimmt werden.

a) Anfangsvermögen
Anfangsvermögen ist das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten beim Eintritt des Güterstandes, also der Eheschließung, gehört.
Gemäß § 1374 Abs. 2 BGB findet eine Hinzurechnung zum Anfangsvermögen statt hinsichtlich Vermögen aus Erbschaft, Aussteuer und Schenkung.
Das Anfangsvermögen kann negativ sein, z.B. wenn voreheliche Schulden bestehen. Zu einem negativen Anfangsvermögen kann es auch dadurch kommen, dass ein Ehegatte nach der Eheschließung eine überschuldete Erbschaft macht.

b) Endvermögen
Endvermögen ist gemäß § 1375 Abs. 1 BGB das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten bei der Beendigung des Güterstandes gehört. Verbindlichkeiten sind über die Höhe des Vermögens hinaus abzuziehen.
Folglich kann auch das Endvermögen negativ sein.

c) Auskunftsansprüche
Ist der Güterstand beendet oder hat ein Ehegatte die Scheidung, die Aufhebung der Ehe, den vorzeitigen Ausgleich des Zugewinns bei vorzeitiger Aufhebung der Zugewinngemeinschaft oder die vorzeitige Aufhebung der Zugewinngemeinschaft beantragt, hat jeder Ehegatte Auskunftsansprüche

  1. Bezüglich des Anfangsvermögens
  2. Bezüglich des Vermögens zum Trennungszeitpunkt
  3. Bezüglich des Endvermögens
  4. Bei der Ermittlung des Wertes der Vermögensgegenstände und der Verbindlichkeiten

d) Berechnungsbeispiele Zugewinn

Beispiel 1: Zum Zeitpunkt der Eheschließung verfügen M und F über kein Vermögen. Im Envermögen haben M 50.000,00 € und F 10.000,00 €.
Zugewinn M: 50.000,00 €
Zugewinn F: 10.000,00 €

Im Rahmen des Zugewinnausgleichs muss M 40.000,00 €: 2 = 20.000,00 € an F zahlen.

Beispiel 2: Zum Zeitpunkt der Eheschließung verfügt M über ein Anfangsvermögen in Höhe von 10.000,00 €, die Ehefrau F über kein Vermögen.
Im Endvermögen hat der Ehemann M 125.000,00 € Schulden, die Ehefrau F nach wie vor kein Vermögen.

Aus negativem Endvermögen kann kein Ausgleichsanspruch begründet werden, so dass F keinen Anspruch hat; M hat natürlich auch keinen Anspruch gegen F

Beispiel 3: Zum Zeitpunkt der Eheschließung betrug das Anfangsvermögen des M – 100.000,00 €, das Anfangsvermögen der F 5.000,00 €.
Im Endvermögen hat M -20.000,00 €, die F 130.000,00 €.

Zugewinn F: 125.000,00 €
Zugewinn M: 80.000,00 €
Auszugleichen sind 45.000,00 € : 2 = 22.500,00 € von F an M.